Weltanschauung und Ideologie – eine Erklärung der Begriffe – Teil 3

Weltanschauung

Weltanschauung

Mit dieser Überleitung kommen wir zum zutiefst deutschen Begriff der Weltanschauung. Achtung! Der Begriff ist deutsch, nicht der wesentliche Gehalt. Denn wie wir sehen werden, hat jedes Volk seine eigene Weltanschauung; auch ohne dafür einen eigenen Begriff zu haben.

Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt, der große deutsche Sprachforscher (1767 – 1835) schrieb 1827 in seiner Abhandlung „Über den Dualis“: „Die Sprache ist aber durchaus kein bloßes Verständigungsmittel, sondern der Abdruck des Geistes und der Weltansicht der Redenden“. Sprache, Denken und W Weltanschauung stehen für r Humboldt in einem engen Zusammenhang. Sprache beinhaltet sowohl in ihrer Lautformung als auch in ihrer W ort- und Begriffsbildung einen Teil der Weltanschauung. Auch die Grammatik, d. h. Wortbeugung, Satzbau usw. spiegelt wider, wie die Menschen und Völker denken, verstehen, werten und ordnen.

Sprache

Jede Sprache bringt eine eigene weltanschauliche Wertung zum Ausdruck. Deshalb ist es ja so schwierig, teilweise sogar unmöglich, vor allem übersinnliche Zusammenhänge von einer Sprache in die andere zu übertragen. Denken wir nur an Begriffe wie Gemüt oder Heimat, für r die es z. B. im Englischen kein eigenes Wort gibt. Begriffe wie Zeitgeist, Weltschmerz, Fingerspitzengefühl, Schadenfreude, aber auch Kindergarten oder Schnaps werden in manchen Sprachen unserer ausländischen Nachbarn erst gar nicht übersetzt, sondern sozusagen 1:1 übernommen. Teilweise allerdings ohne deren wahre Bedeutung begriffen zu haben (Münchner Merkur, 18.8.2010). Die Schwierigkeiten, fremde Sprachen und Anschauungen von innen her zu verstehen, zeigt auch das folgende Beispiel: Bekannt ist sicherlich Goethes Gedicht „Wanderers Nachtlied“:

Über allen Gipfeln ist Ruh‘, in allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch; die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde ruhest auch du.

Dieses Gedicht wurde im Jahr 1902 ins Japanische übertragen, 1911 aus dem Japanischen ins Französische und kurz darauf zurück ins Deutsche – in der Annahme, es handele sich um ein japanisches Gedicht. Eine Literaturzeitschrift druckte es unter dem Titel „Japanisches Nachtlied“ wie folgt ab:

Stille ist im Pavillon aus Jad e, Krähen fliegen stumm zu beschneiten Kirschbäumen im Mondlicht. Ich sitze und weine. (Forschung & Lehre 4/95)

Wissenschaft

Auch in der W Wissenschaft ist man sich solcher Problematik durchaus bewußt. Im August 2005 Unterzeichneten eine ganze Reihe von Professoren und bekannten Persönlichkeiten, darunter Hans-Olaf Henkel und Gesine Schwan, einen Aufruf f zum Erhalt der deutschen Wissenschaftssprache. In dem Artikel „Sieben Thesen zur deutschen Sprache in der W Wissenschaft“ heißt es unter III.: „Jede Sprache bildet die Erfahrungswelt in einer spezifischen Weise ab, sie ist ein Spiegel des Weltverständnisses. Die Vorstellungen von der W Wirklichkeit, die Ontologie (Wissenschaft vom Seienden) werden durch die Sprache, ihren Wortschatz, ihre Begrifflichkeit und ihre S Struktur geprägt (Freiheit der Wissenschaft, 3/2005)

Weltansicht

Humboldt geht in seinen Beratungen noch einen bedeutenden Schritt weiter. Sprache ist nach seiner Erkenntnis nicht nur Weltansicht und Wertung. Sprache und die in ihr zum Ausdruck kommende Weltanschauung sind Teil einer im Menschen angelegten, von Volk zu Volk verschiedenen Grundstruktur. Dazu noch einmal Wilhelm von Humboldt: „Jede Sprache, welche sie sein möge, träg t in jedem Zeitpunkt ihres Daseins den Ausdruck aller Begriffe, die sich jemals in der Nation entwickeln können, in ihrem Schoß“ (Humboldt, Dualis). „Die Sprache trägt Spuren an sich, daß bei ihrer Bildung vorzugsweise aus der sinnlichen Weltanschauung geschöpft worden ist, oder aus dem Inneren der Gedanken, wo jene Weltanschauung schon durch die Arbeit des Geistes getragen w a r „(Humboldt, Sprachtypus)

Nach unserer heutigen Erkenntnis bedeutet dies, daß Sprache, Denken und Weltansicht eine genetische, sprich erblich bedingte Eigenheit aufweisen und somit Völker und Rassen sich auch hinsichtlich ihrer Weltanschauung unterscheiden. Das ist kein ideologisches Wunschdenken, sondern evolutionäre Tatsache! Und diese Tatsache läßt sich auch nicht dadurch unter den Tisch kehren, indem solche Feststellungen neuerdings als „Kulturrassismus“ diffamiert werden. Im Übrigen ist eine Übertragung der Weltanschauung von einem Volk auf ein anderes als ideologisch zu bezeichnen, daher abzulehnen. Jedes Volk hat einen eigenen Zugang zu Außenwelt und einen ureigenen Umgang mit seinem Innenleben, nämlich der jeweiligen Mentalität, d. h. A rt entsprechend. Es gibt dazu ein sehr anschauliches Bild. Stellen w ir uns vor in einer Zeit zu leben, in der es noch keine Eisenbahnen, Fahrzeuge oder gar Flugzeuge gab. Unsere Wege müssen recht langsam zu Fuß, zu Pferd oder

mit dem Boot zurückgelegt werden. Auf dem Weg zur rund 30 Kilometer entfernten Stadt werden deshalb langwierige Umwege vermieden. In der Regel werden die gleichen Wege benutzt.


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