Weltanschauung und Ideologie – eine Erklärung der Begriffe – Teil 1

wenn die Begriffe nicht stimmen…

Weltanschauung und Ideologie – eine Erklärung der Begriffe – Teil 1

wenn die Begriffe nicht stimmen, stimmen die Worte nicht. Stimmen die Worte nicht,

kommen die Taten nicht zustande.

Kommen die Taten nicht zustande, gedeihen Kunst und Moral nicht.

Gedeihen Kunst und Moral nicht, kommt das Staatsleben in Unordnung.

Kommt das Staatsleben in Unordnung, dann entsteht Chaos.

darum sollte jeder dafür sorgen, daß seine Begriffe in Ordnung gebracht werde

Diese Worte stammen von Kung-futse, auch Konfuzius genannt, dem im 5 /6. Jh. vor der Ztr. lebenden chinesischen Denker und Sittenlehrer. Man könnte seinen Gedankengang auch umkehren, ohne daß dabei weniger Falsches herauskäme:

wenn das Chaos herrscht, kommt das Staatsleben in Unordnung, gedeihen Kunst und Moral nicht, kommen keine Taten zustande, stimmen die Worte nicht, dann stimmen auch die Begriffe nicht, darum sollte jeder dafür sorgen, dass er nicht von Chaoten beherrscht wird!

Tatsächlich müssen wir beim Lesen und Hören der von den Medien vorgegebenen „öffentlichen“ Meinung oder gar bei tagespolitischen Verlautbarungen eine fortgesetzte Verdrehung von Begriffen und ihrer Bedeutung feststellen.

Das Verdrehen und Verfälschen hat System und verfolgt einen bestimmten Zweck: Verdummung, Verwirrung und Steuerung der Menschen mit dem Ziel des allgemeinen Machterhalts. Die Mittel solch kriminellen Treibens lassen sich z.B. mit Destruktion (Dadaismus, Frankfurter Schule), Verfremdung (Brecht) oder Neusprech (Orwell) bezeichnen.

Letztlich ist das, was den Menschen in gesammelter propagandistischer Form vorgesetzt wird, nichts anderes als ideologische Phrasendrescherei: geistige Handschellen für das Stimmvieh, eine Ansammlung von Glaubenssätzen (Dogmen) und Geßlerhüten. Ideologie

Der Begriff Ideologie wurde 1796 von dem frz. Schriftsteller und Politiker Destutt de Tracy geprägt, der 1801 ein Werk mit dem Titel „Elements Ideologie veröffentlichte. De Tracy, ein Vertreter des Sensualismus (alle Erkenntnis ergibt sich aus sinnlicher Wahrnehmung), beschäftigte sich damals mit dem Auffinden allgemeiner Grundsätze menschlicher Erkenntnis. Dies war zu seiner Zeit ein weit verbreitetes Feld philosophischer Forschung.

Auch die nachfolgend noch zu erörternden Begriffe Weltanschauung oder Weltansicht stammen aus dieser Zeit der späten Aufklärung. Mit dem Kunstwort Ideologie wurde also zunächst die Gesamtheit der von einer Gesellschaft oder Teilen davon hervorgebrachten Denksysteme, Wertungen und geistigen Grundeinstellungen bezeichnet.

Weltanschauung Offensichtlich stand jedoch bereits zu Beginn dieser Betrachtungen vielfach die Idee an sich im Vordergrund und weniger die Erfassung einer kulturell gewachsenen Ideologie, besser gesagt: Weltanschauung. Insofern bezeichnete Napoleon die Ideologen als „weltfremde Schwärmer“.

Diese kritische, negative Wertung des Begriffes Ideologie hat sich gegenüber der neutralen, mehr auf Forschung und Erkenntnis ausgerichteten Betätigung weitgehend durchgesetzt. Die negative Wertung hat vor allem drei Ursachen: Zum einen stellen sich Ideologien als in sich schlüssige, klar definierte Systeme dar.

In ihnen wird „eine politische oder soziale Grundeinstellung (festgelegt), die gegen Argumente von außen immun gehalten wird“, so Kluges Etymologisches Wörterbuch (Kluge). In der Tat läßt sich gegen ein solches Ideen-Gebäude nur schlecht argumentieren, weil es logisch aufgebaut ist und in aller Regel eine eigene Fachsprache, d. h. Terminologie besitzt. Teile einer Ideologie widerlegen zu wollen ist daher genauso müßig wie mit den Begriffen der Bibel und der katholischen Kirche beweisen zu wollen, daß es Himmel und Hölle nicht gibt. Letztlich kann man solcherlei ideologische Gedanken-Konstrukte nur als Ganzes entkräften. Entstehung

Die zweite Ursache für die negative Wertung von Ideologien liegt in der Art und Weise ihrer Entstehung. Ideologen unterliegen nämlich von Anbeginn einer Zielvorgabe, einem missionarischen Drang zur Veränderung. Das läßt sich z. B. anhand des Liberalismus ohne weiteres nachvollziehen. Ausgehend von der liberalen Wirtschaftslehre eines Adam Smith (d. h. freier Wettbewerb der marktwirtschaftlichen Kräfte ohne staatliches Eingreifen, Marktpreisregelung durch Angebot und Nachfrage usw.) erlangten die Begriffe Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit durch die Französische Revolution eine nahezu eigengesetzliche d. h. autonome Bedeutung.

Dabei wurde völlig außer Acht gelassen, daß bereits die liberale Wirtschaftslehre eine einseitige Beobachtung und Auslegung tatsächlicher Wirtschafts- und Lebensverhältnisse darstellte. Umso mehr verselbstständigten sich die drei Schlagworte bei ihrer fanatischen Übertragung auf die Staats- und Gesellschaftsordnung. Das Wesen der Ideologie ist also eine Idee, ein künstlich geschaffenes Gedankengebäude, das dann als Lehre, zumeist in dogmatischer Weise, in den Raum gestellt wird.

Damit soll nicht behauptet werden, daß Ideologien grundsätzlich einer wissenschaftlichen Beobachtung der tatsächlichen Verhältnisse entbehren; allerdings wird die Bodenhaftung zugunsten der eigentlichen Idee sehr schnell aufgegeben.

Schließlich beansprucht eine Ideologie für sich allgemeine, ja weltweite Gültigkeit, während Kultur und Weltanschauung volksgebundene und bodenständige Begriffe sind. Schon Johann Wolfgang von Goethe, unser großer Dichter und Denker, hat die Ideologie ihrem Wesen nach erkannt und bewertet. In seinen Maximen und Reflexionen schreibt er:

Eine jede Ideologie tritt als fremder Gast in Erscheinung, und wie sie sich zu realisieren beginnt, ist sie kaum von Phantasie und Phantasterei zu unterscheiden. Dies ist es, was man Ideologie im guten und bösen Sinne genannt hat.

Fortsetzung folgt

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